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veröffentlicht am 27.08.2018

Systemfehler

Hightech hat unser Leben verändert – mit gravierenden Folgen für die Umwelt.

Von Gerfried Panovsky


Im blauen Licht der Displays tauscht ein Pärchen in Europa nächtliche Nachrichten aus. Dutzende Kilometer entfernt, können sie einander doch nahe sein. Unter einem ewig vom Kohlerauch grauen Himmel geht eine Frau in China zur Arbeit. Die Sonne hat sie seit Wochen nicht gesehen. Ein Teenager in Nigeria indes zerschneidet sich die Hand am scharfkantigen Elektroschrott, um Kupfer zu sammeln. Es wird ihm ein paar Cent bringen. Smartphones verbinden die Welt – auf mehr als eine Weise. Doch wenn in New York das neue Gerät präsentiert wird, ist alles sauber und glänzend.

Smartphones haben Telefonieren, Fotografieren und viel mehr revolutioniert – sogar das Dating. Sie sind Hi Tech im besten Sinn – doch in Produktion und Entsorgung herrschen Bedingungen, die ganz und gar nicht Hi Tech sind.

Hochglanz mit Schatten

Denn hergestellt werden die kleinen Wunder vorwiegend in Ostasien, wo der Strom aus Kohle kommt. Die seltenen Erden für die Displays werden im Kongo abgebaut, unter Zerstörung der Landschaft und miserablen Arbeitsbedingungen. Und am Ende ihres Lebenszyklus werden sie in Entwicklungsländern notdürftig ausgeschlachtet, ein großer Teil aber einfach verbrannt – Plastik, wertvolle Rohstoffe und giftige Akkus eingeschlossen.

Eine Änderung ist aber möglich. Apple, LG, Lenovo und Dell haben auf unseren Druck hin die Produktionsbedingungen verbessert. Apple will sogar auf 100% erneuerbare Energien umstellen. Nur der größte von allen ist etwas schwerfälliger. Denn Samsung ignorierte lange Zeit jeden Ruf nach Verbesserung. Letzter auf der Greenpeace-Rangliste der Umweltbilanz der Elektronikproduzenten, läuft seine Produktion nur zu einem Prozent auf erneuerbaren Energien.

Unbewegliche Riesen

Wenn sich Konzerne nicht bewegen wollen, hilft Greenpeace nach.AktivistInnen dekorierten Flagshipstores um und erkletterten eine Werbefläche am Berliner Stadtschloss. Tausende UnterstützerInnen riefen die Hotlines in ihren Ländern an, um Maßnahmen für eine bessere Umweltbilanz zu fordern. Auf Messeauftritten und Pressekonferenzen informierte Greenpeace über die schmutzigen Seiten hinter dem High Tech-Glanz.

Drei Jahre dauerte das, doch nun zeigte Samsung Einsicht. Der Konzern kündigte im Frühjahr an, seine Niederlassungen in Europa, Amerika und China auf 100% erneuerbare Energien umzustellen und seine Halbleiterfabriken in Korea mit eigenen Geothermik- und Solaranlagen zu betreiben.

Keiner ist zu groß

Die Produktion von Samsung erzeugt jetzt soviel CO2wie ganz Bolivien; wenn das wegfällt, ist es ein gewaltiger Schritt für den Klimaschutz – und der größte High Tech-Konzern wird damit zum Vorbild der Branche. Einen internationalen Giganten wie Samsung zum Handeln zu bringen, ist kein kleines Unternehmen. Die UnterstützerInnen, AktivistInnen und KampaignerInnen von Greenpeace haben aber wieder einmal gezeigt: Gemeinsam können viele engagierte Leute alles bewegen – auch die Größten.

Quellen:

Click Clean Report
Guide to Greener Electronics
Report 10 Jahre Smartphone
Artikel „Retten, was zu retten ist“
The Guardian über Bitcoin